[Eingesandt an den ZDF-Fernsehrat zur Berücksichtigung bei der Beratung über das geänderte Konzept. Weitere Stellungnahmen finden sich hier.]

Die Weiterentwicklung des ZDF-Telemedienangebots begrüße ich grundsätzlich. Das vorgelegte Konzept reagiert auf die im 22. Rundfunkänderungsstaatsvertrag erweiterten Möglichkeiten für Online-Angebote, schöpft diese jedoch keineswegs aus. Die Medienumgebung für massenmediale Angebote (Presse und Rundfunk) hat sich seit den letzten Drei-Stufen-Tests vor zehn Jahren dramatisch verändert. Fernsehunternehmen stehen vor der Aufgabe, ihre Prioriäten im Hinblick auf ihre Angebotsstruktur, ihre Arbeitsweise und ihr Management grundlegend zu verändern. Der frühere SWR-Intendant Boudgoust gab hierzu im Januar 2019 einen prägnant formulierten Hinweis: „Wir werden in fünf bis zehn Jahren das lineare Programm primär als Schaufenster nur noch nutzen für das, was dann non-linear abgerufen wird.“ (Stuttgarter Zeitung, 01.02.2019) Die Transformation eines Fernsehunternehmens zu einer Internet-Plattform mit linearer Option setzt ein verändertes Selbstverständnis voraus. Dieses – zumindest eine Ahnung davon – habe ich im geänderten Telemedienkonzept gesucht und nicht gefunden. 

Weiterlesen Stellungnahme zum ZDF-Telemedienkonzept

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Ein Streitgespräch mit Leonhard Dobusch über eine demokratischere Rundfunkaufsicht. Veröffentlicht auf netzpolitik.org.

Berichte

[In unwesentlich gekürzter Form erschienen in der FAZ vom 08.05.2019]

Die zwölf deutschen Rundfunkanstalten werden von insgesamt 667 Frauen und Männern in Rundfunk- und Verwaltungsräten beaufsichtigt. Sie werden nicht gewählt, sondern von Verbänden und gesellschaftlichen Institutionen bzw. deren Vorständen entsandt. Die von ihnen repräsentierten unterschiedlichen Perspektiven und Lebenserfahrungen sollen sichern, dass das Programm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks „die Vielfalt der in einer Gesellschaft verfügbaren Informationen, Erfahrungen, Werthaltungen und Verhaltensmuster“ abbildet. So formuliert es das 2014 ergangene ZDF-Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das Regeln für die Staatsferne der Organisation des Rundfunks festgelegt hat.

In den aktuellen Debatten um die Bestimmungen des nächsten Rundfunk- oder Medienstaatsvertrags bleiben die Rundfunkgremien unauffällig. Auch im Hinblick auf Strukturveränderungen, Modernisierungen und Sparmaßnahmen stützen sie eher die Wagenburg von ARD und ZDF, als dass sie durch eigene Ideen Orientierungen zu setzen versuchen. Die Rolle des an den Interessen der Allgemeinheit orientierten Gegenpols zu den Intendanten füllen sie in ihrer öffentlichen Präsentation nicht aus.

Weiterlesen Wir sollten die Rundfunkräte wählen

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24.01.2019 | Im März 2019 trete ich erneut eine Fellowship im Center for Advanced Internet Studies in Bochum an. Mein Forschungsthema in Kürze:

Transformation des Rundfunks

Das Projektziel ist die Bestandsaufnahme der aktuellen soziologischen, ökonomischen, juristischen und politischen Transformationskonzepte für den Rundfunk in Deutschland. Die Durchsetzung vernetzter Kommunikationsformen und ihre Integration der Massenmedien wird im Rundfunksektor meist nur im Register von Risiken (und Befürchtungen) abgehandelt. Durch Szenarienanalysen und Workshops mit Experten sollen die Chancen für Innovation und Transformation interdisziplinär ermittelt werden. Die Arbeitsergebnisse sollen für politische und unternehmerische Planungsprozesse zur Verfügung stehen. Mittel dazu sind neben der frühen Veröffentlichung aller Erkenntnisse die Vernetzung mit ähnlichen Projekten und die Planung weiterführender Veranstaltungen nach Projektende.

Berichte

23.10.2018 | Seit einigen Jahren, vor allem seit den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen von 2016, äußern auch in Deutschland Politiker, Journalisten und wissenschaftliche Beobachter Sorgen über Veränderungen der gesellschaftlichen Kommunikation. Die idealtypisch als gemeinschaftlich genutzte Sphäre des Austauschs von Meinungen beschriebene Öffentlichkeit scheint in voneinander abgeschottete Teile gespalten. In Artikeln, Büchern, Vorträgen und Konferenzen werden Gefahren für die Demokratie beschworen. Ein wesentlicher Beitrag zum Zustandekommen dieser Erscheinungen wird den Online-Medien zugeschrieben. Dabei gerät mitunter aus dem Blick, welche Effekte Medien nachweisbar auslösen können. Diesem Aspekt ist der Beitrag gewidmet, der als Vortrag am 9. Oktober 2018 vor dem Initiativkreis öffentlich-rechtlicher Rundfunk gehalten wurde.

Berichte

Stellungnahme zum Rundfunkbegriff im Entwurf des Medienstaatsvertrags

Auch auf carta.info

22.08.2018 | Die Rundfunkkommission der Länder hat einen Entwurf für einen neuen Rundfunkstaatsvertrag zur öffentlichen Diskussion gestellt. Im Hinblick auf den Rundfunkbegriff hält der Entwurf an der Fiktion der unbeschadeten Fortexistenz der alten Massenmedien fest. Bestimmend für die Abgrenzung der privilegierten Rundfunkmedien bleiben weiterhin technische und formale Kriterien, aus denen „rundfunkähnliche Telemedien“ konstruiert werden. Die folgende Stellungnahme fordert eine prinzipiell andere Sichtweise, in der die reale Medientwicklung berücksichtigt wird.

Weiterlesen Neuer Medienstaatsvertrag – alter Rundfunk

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Beitrag in epd medien Nr. 29 vom 20. Juli 2018 (Webversion)
Leicht gekürzte Fassung für die Sendung Mehrspur von SWR2
Audioversion der SWR2-Fassung (leider etwas hallig)

Dem Publikum dienen

Frankfurt a.M. (epd). Wer gehofft hatte, in diesem Sommer eine medienpolitische Wende zu erleben, sieht sich getäuscht. Es liegen keine neuen Konzepte auf den Tisch, die dem heutigen Rundfunk eine Zukunft im Netz der Netze bahnen. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten, die eigens zu Strukturüberlegungen aufgefordert wurden, die über organisatorische Optimierungen hinausgehen, verweigern den Zukunftsdiskurs und legen ihr Schicksal in die Hände von Medienpolitikern und Lobbyisten. Untote Begriffe geistern durch die Papiere: die Presseähnlichkeit und der Sendungsbezug.Auf der anderen Seite ist die Entwicklungsdynamik der digitalen Medienumgebungen, in denen Presse und Sendungen keine Rolle mehr spielen, ungebrochen. Die öffentlichen Rundfunkunternehmen jedoch graben sich ein und hoffen offenbar, ihren Besitzstand so am besten verteidigen zu können.

Weiterlesen Neue Leitideen für den Rundfunk

Berichte

12.02.2018 | Die ARD-Audiothek-App hat das Potenzial, das zu zeigen, was vom Radio bleibt, wenn das System der linearen Programme zusammenbricht. Sie steckt allerdings noch in den Anfängen und hat viele u. a. durch den ARD-Verbund verursachte Kinderkrankheiten. Außerdem, und das wäre wohl das Wichtigste, muss sie nicht nur funktional, sondern auch rechtlich nach und nach von der Rolle eines bloßen Annex zum linearen Hörfunkprogramm befreit werden.

Fragwürdige und unübersichtliche Benutzeroberfläche – „Themen“, die in Wirklichkeit Sendreihen sind – „Sendungen“, die in Wirklichkeit redaktionelle Sendeplätze sind

In meinem Beitrag „Großes Potenzial. ARD-Audiothek aus Nutzersicht“ in epd-medien 06/2018 vom 09.02.2018 habe ich unter anderem diese acht Kritikpunkte dargestellt:

  1. Die Audiothek sollte als zentrales Programmangebot der ARD-Kultur- und Informationsredaktionen verstanden und auch so behandelt werden. Das bedeutet vor allem die Austattung mit einer Redaktion, die über die Qualifikationen und die zahlenmäßige Stärke einer Hörfunk-Kulturwelle verfügt. Die Audiothek hat das Potential, mit ihrer Nutzung die Reichweite jeder linearen wortorientierten Welle hinter sich zu lassen. Gerade deshalb benötigt sie die sorgfältige Einordnung, Präsentation und Kommentierung ihrer Angebote. Der automatisierte Rückgriff auf zufällig Vorhandenes, zum Beispiel Textbausteine aus dem Programm-Marketing, entwertet letztlich das Angebot.
  2. Zu den Aufgaben einer Redaktion zählt auch der ständige Dialog mit den Nutzern. Momentan bietet die Audiothek keinerlei Interaktionsmöglichkeiten an, was auch Autoren und die Redakteure in den beteiligten Anstalten schmerzen müsste.
  3. Die Nomenklatur der Angebots-Ebenen sollte komplett überarbeitet werden. Die „Episoden“ der Audiothek sind keine Episoden, die „Themen“ keine Themen, die „Sendungen“ keine Sendungen. Es ist sicher nicht einfach, schlagkräftige und allseits verständliche Benennungen für die einzelnen Kategorien zu finden. Die bisherigen Lösungen jedenfalls sind nur – seltsam. Das Know-how der vielen klugen Archivare in den Landesrundfunkanstalten könnte hier vielleicht helfen.
  4. Die Autoren und Beteiligten der einzelnen Elemente/Beiträge sollten in den Beschreibungen auftauchen. Momentan gibt es nicht einmal bei Hörspielen und Features Autorenangaben.
  5. Eins der wichtigsten Merkmale jedes Beitrags wird den Nutzern ebenfalls vorenthalten: die Verweildauer. Absurderweise taucht ein Hinweis auf die Verweildauer erst dann auf, wenn ein Beitrag aus dem Angebot herausgenommen wurde, jedoch noch in einer Liste enthalten ist. Nutzer dürfen erwarten, dass jeder Beitrag mit einem Verfügbarkeitszeitraum oder -datum gekennzeichnet wird. Das könnte auch die medienpolitische Sensibilität der Hörer und die Unterstützung zur Schleifung des Verweildauerkonzepts erhöhen.
  6. Ganz unverständlich und dringend revisionsbedürftig ist die Entscheidung, in der Audiothek die Livestreams der in ihr vertretenen Wellen nicht anzubieten. So schön es ist, dass ARD und Deutschlandradio ihre Streams bei sämtlichen Aggregatoren verfügbar machen, am sinnvollsten ist dies doch im eigenen Angebot. Hinter der Entscheidung lässt sich nur der schon erwähnte regionale Eigensinn vermuten. In diesem Fall stehen nicht nur die Interessen der Nutzer, sondern auch die erzielbaren Reichweiten auf dem Spiel. Sinnvoll wäre die Kombination der Livestreams mit dem Listing des jeweiligen Tagesprogramms und einer mehrtägigen Vorschau.
  7. Die schon erwähnte Problematik der fehlenden Hörspielangebote könnte durch redaktionelle Anstrengungen zumindest gemildert werden. In der Hörspielrubrik der Audiothek sollten alle tagesaktuellen Hörspiele mit Links zu den Programmtexten und den Livestreams aufgeführt werden, auch und gerade wenn sie anschließend nicht in der Audiothek erscheinen.
  8. Obwohl Smartphones die meistgenutzten Internet-Geräte sind, sind Tablet- und Desktop-Versionen der App natürlich wünschenswert. Diese Gerätekategorien ermöglichen eine bequemere Navigation und können mindestens ebenso leicht mit heimischen Audioanlagen verbunden werden.

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Heute, am 24.12.2017, wird Jonas Mekas 95 Jahre alt. Angesichts des ersten Drittels seines Lebens ist das ein sehr unwahrscheinliches Alter. Seine Tagebücher aus den Jahren 1944 bis 1955 enthalten Momentaufnahmen in einer schier endlosen Kette extremer und bedrückender Situationen. Das Unwahrscheinlichste ist die Sachlichkeit, mit der Erlebtes und Gehörtes aufgezeichnet wird, gelegentlich unterbrochen durch Kürzesterzählungen und ergänzt durch Photos aus dem Archiv des Autors.

Spector Books 2017

Jonas Mekas stammt aus Litauen, aus einer Bauernfamilie. Neben seiner Tätigkeit auf dem väterlichen Hof ist er ein besessener Leser und beginnt bereits als Jugendlicher zu schreiben und zu publizieren, auch noch unter den Bedingungen der litauischen Sowjetrepublik (durch den Hitler-Stalin-Pakt 1940) und der deutschen Besatzung 1941 bis 1944. Mit einem jüngeren Bruder bricht Mekas 1944 auf, um in Wien ein Studium zu beginnen. 1944! Auf ihrer Bahnreise nach Westen werden sie aufgegriffen und nach Elmshorn gebracht, wo sie bis zum Kriegsende in ein Zwangsarbeitslager gesteckt werden und in der Maschinenfabrik Neunert arbeiten müssen.

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17.12.2017 | Die Diskussion über den Auftrag, die Finanzierung und die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland hat 2017 eine noch nicht dagewesene Intensität erreicht. Die folgende Übersicht benennt die wichtigsten Themen und verlinkt die zugehörigen Texte und Videos. Der gesetzliche Auftrag, die Struktur der Rundfunkanstalten und die weitere Finanzierung durch den Rundfunkbeitrag werden 2018 ebenso Gegenstände neuer staatsvertraglicher Regelungen sein wie der für die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Systems entscheidende Telemedienauftrag.

— Der Beitrag erscheint auch auf ioer.org

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