Hinweise

Zu meinen schlimmsten Erfahrungen in Arbeitszusammenhängen gehört eine Phase, in der es einmal wöchentlich oder zumindest doch mehrmals im Monat eine Skype-Konferenz gab. Manchmal nahmen nur fünf oder sechs Mitarbeiter teil, manchmal waren es mehr als zehn. Diese Konferenzen dauerten bis zu zwei Stunden und hatten nie produktive Ergebnisse. Die Tagesordnungen mit Berichten der einzelnen Mitarbeiter wurden sklavisch abgearbeitet. Die Berichte waren zum Gähnen detailliert und enthielten kaum Neuigkeiten – die wären allen auch schon über eine Mailing List bekannt gemacht worden. Statt des wohl angestrebten Wir-Gefühls verbreitete sich durchweg gegenseitiger Groll: Alles Schwätzer – außer mir.
Bei manchen dieser Konferenzen dauerte es zwanzig Minuten bis zum eigentlichen Beginn. Das war die beste Zeit, sie gehörte den Anekdoten-Erzählern. Danach boten nur die Unterbrechungen durch Kleinkinder, Paketdienste oder Verkehrslärm bei einzelnen Teilnehmern Abwechslung. Offenkundig waren die meisten ohnehin eher abwesend, denn im Hintergrund war immer multiples Tastenklicken zu hören. Die rituellen Termine boten gute Gelegenheit, endlich einmal die aufgelaufenen E-Mails zu bearbeiten.
Diese Konferenzen erzeugten keine Teilhabe an spannenden Entwicklungen, sie brachten solche auch nicht durch neue Ideen voran. Alle potentiellen Ansätze kollektiver Weisheit wurden überlagert durch allgemeine Dumpfheit.
Wie schön, dass jemand dazu auch eine „Theorie“ entwickelt hat: Schon auf der re:publica 2015 trug Gunter Dueck seine Beobachtungen zur Schwarmdummheit vor, die er 2016 durch Thesen zu modernen Cargo-Kulten ergänzte. Für mich eine etwas späte Entdeckung, Entlastungen funktionieren nicht nachträglich, aber unterhaltsam sind die Vorträge.

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Berichte

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) beklagt sich in ihrem 20. Bericht darüber, dass sie sich angesichts des allseitigen Versagens aller anderen Akteure in Politik und Sendern zur Perspektive des Digitalradios äußern muss. Sie überschreitet damit in der Tat die Grenzen ihres Auftrags, der sich im wesentlichen auf die Prüfung tatsächlicher Vorlagen bezieht. Sie tut jedoch gut daran, einige Eckdaten zu formulieren:

Die Kommission erwartet, dass mit den Anmeldungen von ARD und Deutschlandradio zum 22. Bericht im Frühjahr 2019 die folgenden Meilensteine erreicht worden sind:
• Bund und Länder haben eine Entscheidung über ein Konzept zur Abschaltung von UKW getroffen. 

• Die Marktpartner haben sich auf eine Methodik zur Ermittlung der DAB+-Nutzung geeinigt und die Nutzungszahlen werden publiziert. 

• Bedeutende Automobilhersteller bieten DAB+-Radios als Serienausstattung an. 

• Mindestens 27 % aller Haushalte besitzen ein DAB+-Empfangsgerät

Innerhalb von drei Jahren werden sich diese Ziele kaum erreichen lassen. Wenn momentan ca. 10 Prozent der deutschen Haushalte über ein DAB+-Empfangsgerät verfügen, wodurch sollte eine annähernde Verdreifachung erreicht werden? Jeder Blick in die Radio-Regale der Technikmärkte zeigt, dass diese Geräte immer noch unattraktiv und zu teuer sind, bei nicht erkennbarem Mehrwert gegenüber einem UKW-Radio. DAB+-Radios sind meistens Hybrid-Empfänger, die auch UKW beherrschen. Kaum teurer sind Kombigeräte, die auch als Internet-Radios im häuslichen WLAN funktionieren. Der Mehrwert dieser Geräte ist offenkundig: Zigtausende Radiostationen können empfangen werden, Musikdienste wie Spotify können abgerufen werden, das Smartphone kann angeschlossen werden. Bei dieser Geräteklasse ist das Radio in der Jetztzeit angekommen. DAB+ hingegen ist eine Phantasie aus der Vergangenheit, die als untoter Fliegender Holländer durch den Äther segelt.

Die Medienforschung begann Ende der zwanziger Jahre bekanntlich damit, dass statt der verkauften Radiogeräte die Einschaltzeiten für verschiedene Sender ermittelt wurden. Wie schwer es heute noch ist, Nutzungszahlen zu ermitteln, zeigt die von der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten beauftragte Studie. In der am 4.12.2014 veröffentlichten Ausschreibung wurde eine Erhebung gefordert:

  • die den Anbietern von bundesweiten Digitalradioprogrammen erstmals Auskunft über die nationale Hörer‐Reichweite gibt,
  • die qualitative Informationen über das Nutzungsverhalten von Radio in DAB+‐Haushalten liefert,
  • die den privaten Digitalradioprogrammen repräsentative Reichweitendaten zur Werbevermarktung liefert.

Insbesondere der Mehrwert der DAB+-Nutzung gegenüber der UKW-Nutzung sollte herausgearbeitet werden. Die Ergebnisse sind jedoch äußerst dürftig. Das beauftragte Unternehmen (ifak) ermittelte die Nutzungsweise von Radio in fast 1300 Haushalten, die über mindestens ein DAB+-Gerät verfügen. Es gelang ihm allerdings nicht einmal, bei den ermittelten Nutzungsweisen zwischen DAB-+Empfang und Internetradio-Empfang zu unterscheiden. Es bleibt also weiterhin viel Raum für die üblichen Behauptungen der Relevanz von DAB+ für die Zukunft des Hörfunks. Konkrete Zahlen könnten da vielleicht nur schaden.

Welchen Empfangsweg wählen 1Live-Hörer wohl tatsächlich: DAB+ oder Internet?

Quelle: ifak/Die Medienanstalten

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Ein junger Mann ist stolz darauf, in der Zeitung erwähnt zu werden. Er war betrunken unter einen Schlitten geraten und wurde leicht am Kopf verletzt. Nun kennt ihn ganz Russland.
(Anton Tschechow: Freude)

Berichte

Berichte

Die Geschichte der Rechenmaschinen von Charles Babbage (1791–1871) lässt sich schnell zusammenfassen: Er plante und baute von 1822 bis etwa 1833 an der ersten Difference Engine, mit der unter anderem Logarithmentafeln berechnet werden sollten. Nur Teile dieser Maschine wurden zu seinen Lebzeiten gebaut. Babbage begann dann mit der Entwicklung der Analytical Engine, von der ebenfalls nur Fragmente gebaut wurden. Sie gilt als Vorläufer moderner Universalcomputer und sollte lochkartengesteuert beliebige Programme ausführen können. Während der Arbeit an diesem Automaten revidierte Babbage Ende der vierziger Jahre seine Entwürfe der Difference Engine, wobei er unter anderem die Zahl der benötigten Teile von 25.000 auf 8.000 reduzierte, bei gleicher Funktionalität. Diese Difference Engine 2 wurde 1991 für das Science Museum in London gebaut (ein zweites, nicht völlig identisches Exemplar schenkte der Unternehmer Nathan Myhrvold dem Computer History Museum in Mountain View, Cal.). Die Konzeption dieser Maschine wurde ausführlich von Doron Swade beschrieben, der als Kurator für das Science Museum arbeitet.

Quelle: Wikipedia

Ein mit relativ geringen Mitteln ausgestattetes Projekt, das Adrian Johnstone und Elizabeth Scott am Royal Holloway College der University of London ins Leben gerufen haben, widmet sich aktuell einer umfassenden Simulationsaufgabe. Es konvertiert die von Babbage zur Beschreibung seines Konzepts verwendete Mechanical Notation in eine moderne Programmiersprache, die es dann ermöglicht, die Maschine selbst in Form von 3D-Animationen zu simulieren und letztlich Stück für Stück auszudrucken.

Ein bereits ausgedrucktes Teilstück der DE2. Quelle: Vortrag von Adrian Johnstone zum 200. Geburtstag von Ada Lovelace

Wenn das Projekt abgeschlossen ist und der entwickelte Code als Open Source online ist, wird sich jeder Interessent eine Babbage-Maschine ausdrucken und ins Wohnzimmer stellen können. Wer nicht so lange warten möchte, kann das auch heute schon mit Lego versuchen.

Berichte

Jill Lepore versucht im New Yorker, die Wandlungen im US-amerikanischen Parteisystem auf Entwicklungen der Medientechnik zurückzuführen. Es ist immer riskant, die Medien als Dispositive zu identifizieren, da sich Evidenzen oft nur durch die brutale Ausblendung anderer Faktoren herstellen lassen. In diesem Fall ist das interessant genug, zumal für uns, die wir uns nicht täglich mit der politischen Geschichte der USA beschäftigen. 

Hinweise

John dos Passos: Jahrhundertmitte. Reinbek 1963 (Original 1960), S. 11.
John dos Passos: Jahrhundertmitte. Reinbek 1963 (Original 1960), S. 11.

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Eine Publikation von SEAT mit einigen Content-Schnipseln aus Frankfurt?
Eine Publikation von SEAT mit einigen Content-Schnipseln aus Frankfurt?

Nervt.

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