Junk News – Klebstoff der Öffentlichkeit

31.12.2025 [Geschrieben Anfang 2025 als Beitrag zu einem noch nicht erschienenen Sammelband]

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Gazetten, wen sie interessant seyn sollen, dürfen nicht genirt seyn.
(Friedrich der Große)

Einleitung

Mit dem Begriff Fake News, der ungewollte Fehlinformation sowie bewusste Desinformation umfasst, setzen sich Medienkonsumenten und die Wissenschaft verstärkt seit dem amerikanischen Wahljahr 2016 auseinander. Fake News können als Teilmenge von Junk News verstanden werden, zu denen weitere journalistische Schmuddelkinder gehören, wie sensationell aufgemachte Berichte über Belangloses, Privates und zu Skandalen erhobene Begebenheiten. Als »News« werden in diesem Beitrag wie im englischen Sprachgebrauch nicht nur Nachrichten bezeichnet, sondern alle journalistisch prozessierten Formate, die Aspekte des aktuellen Weltgeschehens aufgreifen. Im Diskurs über Junk News scheint Einigkeit darin zu bestehen, dass sie über ihre Belanglosigkeit hinaus auch schädlich sind, letztlich sogar für demokratische Prozesse. Die mediale und gesellschaftliche Funktion oder gar der Nutzen von Junk News werden bei den vorhandenen Kritiken und Studien selten oder gar nicht thematisiert. Das soll jedoch nun in diesem Beitrag geschehen. Dabei wird die Argumentation auch die Frage berühren, was journalistische Berichterstattung – unabhängig von professionellen Selbstverständnissen – im Kern ist und wie sie ihr Wirkungspotential entfalten kann.

Die Assoziation des Begriffs Junk News zu ungesundem und träge machenden Junk Food hat einen paternalistischen Touch: »a lot of it has too much stuff that is just bad for you, like misinformation and bias« – so formuliert es die amerikanische Juristin und Medienkritikerin Vanessa Otero (2024). Es stellt sich dabei die Frage, von welchem Standpunkt aus solche Bewertungen vorgenommen werden – also nach der Diskurshoheit über »Fakten« oder gar die Wahrheit. Welchen Schaden Junk News anrichten können und vor allem auch, wie sich dieser kausal nachweisen ließe, bleibt überdies bei Otero wie in vielen ähnlichen journalistischen und medienpolitischen Bedrohungsszenarien ungeklärt.

Der Begriff Junk News impliziert eine Unterscheidung, die in der Abgrenzung von Nicht-Junk besteht, wobei diese selten klar definiert wird. Unausgesprochen scheint es um das nicht erfüllte Ideal relevanter und wahrhaftiger Berichte zu gehen, die auch in formaler Hinsicht bestimmten journalistischen Normen und zudem ethischen Qualitätsstandards genügen.

Junk News, in welcher Ausprägung auch immer, werden in allen Mediengattungen gefunden, also in den klassischen Massenmedien, ihren digitalen Derivaten und in vielen Kanälen digitaler Kommunikationsplattformen. Trotz aller Warnungen und Berührungsverbote haben sie offenkundig auch für die sich als seriös verstehenden Medien eine hohe Attraktivität. Viele Mediennutzer kommen erst durch Zitate und Einbettungen in den Genuss von Schimpfkanonaden und grotesken Behauptungen populistischer Akteure. Aus einer Reihe von Studien lässt sich entnehmen, dass es auf diesem Wege womöglich sogar mehr Kontakte mit Falschinformationen gibt als unmittelbar in ihren ursprünglichen Kanälen (siehe hierzu die Meta-Studie Mansell et al. 2025). Die Wiedergabe solcher in den USA als »BS« bezeichneten Äußerungen scheint den Bedürfnissen des Publikums zu entsprechen, das danach geradezu sucht. Junk News haben so auch für die sich als seriös begreifenden Medien einen funktionalen und ökonomischen Nutzen.

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