23.07.2017 | Gast-Herausgeber dieser Ausgabe: Hermann Rotermund und Christian Herzog. Die Online-Version ist jetzt erschienen, auch eine Print-Version ist erhältlich.
21.07.2017 | Der israelische Militärhistoriker Martin van Creveld hat einen Roman geschrieben: Hitler in Hell, unter anderem als Kindle erhältlich. Dieser Hitler sitzt in der Hölle, die ihn so langweilt wie vordem das Gefängnis in Landsberg am Lech. Wieder schreibt er mit Unterstützung durch Rudolf Hess seine Weltsicht auf. Da es in der Hölle nun auch Breitband-Anschlüsse gibt, hilft ihm das Black Internetz bei der Orientierung im aktuellen Weltgeschehen…
John Walker, vormaliger Gründer und Chef von Autodesk (bekannt durch die Konstruktions-Software Autocad), der seit vielen Jahren in der Schweiz lebt und seinen persönlichen Interessen nachgeht, rezensiert van Crevelds Buch in seinem Blog. Die höllische Internet-Variante kommentiert er so: „My own personal idea of Hell would be an Internet connection which only allows you to read Wikipedia.“ Das ist zweideutig. Für mich jedenfalls wäre ein ausschließlich aus der Wikipedia bestehendes Internet die Hölle.
28.06.2017 | Stellungnahme zu einem Referentenentwurf vom 17.05.2017, der für die Beratungen zur nächsten Novelle des Rundfunkstaatsvertrags den Telemedienauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks neu definiert. Anders als z. B. von Leonard Dobusch behauptet, ist eine Lockerung des Zwangs zum Sendungsbezug von Online-Medien oder eine Vereinfachung der Prüfverfahren zu Telemedienkonzepten (Dreistufentests) im Entwurf nicht zu finden. Statt dessen gefällt er sich im Auftürmen sprachlicher Ungeheuerlichkeiten (z. B. gibt es eine dreifach mit dem Wort „überwiegend“ verschachtelte Bedingungskette) und bietet an anderen Stellen bloße Formulierungs-Retuschen ohne Substanz.
Weiterlesen Mehr Chancen für öffentlich-rechtliche Telemedien
Statement in der Podiumsdiskussion des MCIR, Bayerische Akademie der Wissenschaften 16.05.2017

[Video] Diskussion ab 51:51, mein Beitrag ab 1:10:46

22.01.2017 | Aus dem Twitter-Stream von Elisabeth Nolan Brown – @ENBrown.
12.12.2016 |
Spengler – Benn – Bense
(Manuskriptfassung eines 2017 erscheinenden Buchbeitrags. Diese Fassung ist nicht zitierfähig.)
Resonanzräume
Oswald Spenglers zweibändiges Werk Der Untergang des Abendlandes (1918/1922) hat fast ein Jahrzehnt lang eine bemerkenswerte Aufnahmebereitschaft in den deutschen Eliten gefunden. Sein unsystematischer Charakter und seine formalen Ungleichgewichte haben von Beginn an eklektische Lektüren und Interpretationen angestoßen, die seiner weiteren Verbreitung allerdings eher noch gedient als geschadet haben.
Bertolt Brecht hält in seinem Tagebuch einen Besuch beim Journalisten und Weltbühne-Autor Frank Warschauer im September 1920 in Baden-Baden fest:
Er vibrierte von Spenglers großem Buch und sang Arien vom Zionismus. Dieses Land um uns geht kaputt, ist alle, versinkt, und nichts ist besser als Zion. Er hat zuviel Ziel in sich, er wickelt in alle Verhältnisse Sinn, er glaubt an Fortschritt und daß ein Lurch eben nicht anders kann, als irgendeinmal ein Affe zu werden.[1]
Diese Konfusion weist trotz der Erfahrung vitaler Bedrohungen im Ersten Weltkrieg (und der zunehmenden Ahnung noch kommender) popkulturelle Züge auf. Spengler ist ein Autor, der zu allem etwas zu sagen hat, und über den alles gesagt werden kann. Unbeeindruckbar durch die neueren Erkenntnisse der Biologie, Physik oder Psychologie integriert die populäre Spengler-Interpretation auch das, was sie davon verstehen will, in ein Konglomerat solcher Gegensätze wie der von Kultur und Zivilisation, Geschichte und Leben, Fortschritt und Schicksal. Spengler steht allerdings mit seiner organizistischen, „morphologischen“ Betrachtung von Geschichtsabschnitten, naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und kulturellen Gewohnheiten nicht allein. Er kann auf einem kultur- und wissenschaftskritischen Fundament aufbauen, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet wird, und neben ihm entstehen viele Positionen, die sich einer vergleichbaren Methode bedienen, auch wenn sie inhaltlich zu teilweise anderen Kombinationen und Schlüssen kommen als Spengler in seinem Hauptwerk. Zwei deutsche Autoren mit naturwissenschaftlichem Hintergrund – als Arzt und als Physiker – sollen hier mit ihren jeweils spezifischen morphologischen Analysen und Flirts vorgestellt werden, wobei die These vertreten wird, dass ihre Morphologismen sich in Resonanz zu gängigen Krisenempfindungen ihrer Zeit befinden und weniger Reaktionen auf eine durch Spengler ausgelöste Primärschwingung sind.
Artikel der Chemnitzer Freien Presse vom 24.11.2016, zu dem ein paar Einschätzungen beigetragen wurden.
16.11.2016
Über mediale Faktoren seines Erfolgs und Konsequenzen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk
Von Wolfgang Hagen und Hermann Rotermund
Auch auf CARTA.info
Der Beitrag setzt sich mit vier Faktoren auseinander, deren spaltender Einfluss auf die Medien und die Öffentlichkeit der USA im jüngsten Präsidentschafts-Wahlkampf sichtbar wurden: der Tradition des Talk-Radios, den Fox News, den Scripted-Reality-Formaten des Fernsehens und den Teil-Öffentlichkeiten der Social Media des Internet. Er zieht Konsequenzen für die Aufgaben der deutschen öffentlich-rechtlichen Medien, deren Kommunikationsbemühungen im Social-Media-Bereich bislang nicht über die Verteilung von Links und Empfehlungen hinausgehen.
26.10.2016 | „Content ist King – nur so ein Spruch?“
Diese Frage stellte Michael Hanfeld, Medienredakteur der FAZ, als Moderator des Panels „Future Proof – Was macht Radio zukunftsfest?“ seinen Diskussionsteilnehmern. Womit wir bei den Inhalten, der Kreativität der Programmangebote und der Vielfalt im Digitalen, wären, die – wie oft in solchen Diskussionsrunden – leider auch in München etwas zu kurz kamen. Warum das so sei, glaubt der Medienwissenschaftler Hermann Rotermund erkannt zu haben.
Die Konzentration auf DAB+ als Verbreitungstechnik verstelle offensichtlich den Diskutanten den Blick auf den tatsächlichen digitalen Wandel, warnte Rotermund in München. DAB+ sei nicht die digitale Transformation. Vielmehr gebe es jenseits des digitalen Grabens „ein Land“, in dem die digitale Transformation zu leisten sei, nämlich die Netzumgebung. Dort spiele Content eine weit entwickeltere Rolle als einfach nur das lineare Radio, selbst wenn dieses angereichert sei mit schönen Bildern.
Es gehe bei der digitalen Transformation um die Einbettung aller Radioprogramme, aller redaktionellen Anstrengungen, in die Interaktion mit den Nutzern. Es gehe um die ständige direkte Kommunikation.
Und Rotermund geht noch einen Schritt weiter: „Ich befürchte, dass die 500 Millionen bis eine Milliarde, die die Umstellung auf DAB+ als Transformation kosten soll, eine Art Sterbehilfe für die Gattung Radio ist. Dabei wird nämlich versäumt, tatsächlich zukunftsfähige Konzepte für die Netzumgebung zu entwickeln.“
[Zusammenfassung von Inge Seibel auf dem Blog der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien]


